Miteinander reden

Für eine gerechte Gesellschaft, in der alle die gleiche Würde haben; für einen offenen und respektvollen Dialog sowie für ein klares Einschreiten gegen Diskriminierung sprach sich kürzlich die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann,auf der Landessynode aus.

„Miteinander auf dem Weg bleiben für eine gerechte Gesellschaft, in der alle die gleiche Würde haben“, heißt es in dem Bericht. Von zu vielen werde diese Selbst-Verständlichkeit infrage gestellt – sei es gegenüber Menschen aus anderen Regionen oder Ländern, sei es gegenüber Menschen mit anderer Religion, oder auch „nur“ gegenüber Menschen mit anderer Meinung.

„Miteinander reden und nicht übereinander. Respektvoll und nicht voller Hass und Verachtung. Direkt und nicht über Medien. Damit sich bei Menschen nicht weiter so viel Resignation und Wut aufstaut über dem Gefühl, nicht gesehen zu werden, nicht gehört zu werden, nicht wichtig zu sein“, so die Landesbischöfin.

„In den Kommentaren im Internet können wir lesen, wieviel Wut und Hass in vielen Menschen steckt und sich Bahn sucht; und dann auch ausbricht und gegen Menschen richtet, mitten auf offener Straße. Es ist wichtig, dass wir hier unsere Stimme klar erheben, insbesondere, wenn unsere jüdischen Mitbürger bedroht werden.“

Schwerpunkt des Berichtes ist eine Auswertung der neuen innerkirchlichen Visitationsordnung, die 2013 von der Landessynode beschlossen wurde. Diese Ordnung sieht vor, dass Kirchengemeinden und Kirchenkreise regelmäßig von einer Gruppe aus haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden besucht werden, um auf die Situation vor Ort zu sehen und im Gespräch Perspektiven zu diskutieren.

Ein wichtiges Ergebnis für die Arbeit in den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen aus der ersten Phase der Visitationen sieht Junkermann darin, sich mehr Zeit für geistliche und inhaltliche Themen zu nehmen. Diese Aufgabe, verbunden mit dem Blick auf die Menschen, dürfe angesichts der strukturellen Aufgaben wie Stellen- und Finanzplanung nicht zu kurz kommen.

Laut Junkermann hat die EKM mit ihrer Visitationsordnung ein Verständnis von Kirche als Gemeinschaft formuliert, „in der alle auf Augenhöhe miteinander auf dem Wege sind“. Das Hören und Wahrnehmen sei wichtiger als das Deuten und Bewerten.

Wichtig seien dabei folgende Fragen: „Was hat Gott hier vor Ort mit seiner Kirche unter diesen konkret vorfindlichen Bedingungen jetzt vor und wie können wir diesem Auftrag gerecht werden, auch so, dass dieser Dienst noch lebbar und nicht strukturell überfordernd ist? Wie kann diese Frage Vorrang gewinnen oder behalten gegenüber einem institutionenbezogenen Denken, das zu sehr auf Strukturen und weniger auf Menschen schaut?“, so Landesbischöfin Junkermann vor den Synodalen.

Des Weiteren ging Junkermann auf die Bildung von Regionen ein. Dabei müsse der Lebenshorizont der Menschen berücksichtigt werden und es mache keinen Sinn, Gemeinden aufgrund überwiegend finanzieller Anreize zusammenzuschließen. „Soll regionale Zusammenarbeit wachsen, darf zeitnah keine weitere Strukturreform erfolgen, da gerade Entstandenes wieder zerstört wird“, betont die Landesbischöfin.

„Eine Region lebt von den Menschen, die sich zusammentun und die eine gemeinsame Vision und eine gemeinsame Zielorientierung verbindet. Verschiedene geistliche Prägungen wirken dabei nicht hemmend, sie sind vielmehr für die Zusammenarbeit in einer Region sogar oft förderlich.“