20.11.2018
Unkalkulierbar


Kreiskantor Jörg Reddin, Arnstadt

Wer kennt es nicht? Wir nehmen uns einiges vor, meistens langfristig, dann passiert etwas Unvorhergesehenes, unter Umständen etwas Unschönes. Oder es geht uns etwas von unseren persönlichen Dingen verloren. Meistens findet es sich wieder an, manches Mal bleibt es verschwunden.

Diese Beispiele, die unendlich weiter geführt werden können, zeigen die Unkalkulierbarkeit unseres Lebens. Es fällt uns mehr oder weniger leicht, Dinge ziehen zu lassen oder es zu akzeptieren, dass es so sein soll, wie es gerade geschieht. In meinem Urlaub wurde mein liebgewordenes Fahrrad von einem auf den anderen Moment unbrauchbar.

Nach kurzer Zeit kümmerte es mich nicht - und dann kam eine gute Lösung, worüber ich sehr dankbar war. Ich dachte darüber nach, dass es für mich eine kleine Übung gewesen sein kann. Zu den anfangs genannten Punkten können natürlich noch viel schmerzhaftere Dinge im Leben kommen, wie Verabschiedungen von liebgewordenen Freunden, Bekannten bis sehr nahestehenden Menschen für lange Zeit. Da gibt es eine große Palette, die die sogenannten Löcher nach erfüllten Zeiten erzeugen. Das kann uns umwerfen.

Da überlegte ich weiter. Ich kann im Gebet für Menschen eintreten, die an schwerwiegenden Dingen knacken müssen. In der Schwere ist es nicht möglich, Gelassenheit zu haben. Aber es sind die Menschen da, die es nicht so schwer haben und mit guten Gedanken und Gebeten den Schwächeren aufrichten können - ein Kreislauf, der in seinem Wesen viel Gutes wirkt.

Der brasilianische Erzbischof Dom Helder Camara (bekannt als "Optimist Gottes" oder "Bruder der Armen") findet dafür sehr schöne, passende Worte: "Sag ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichtemachen, deinem Tag eine ganz andere Richtung geben - ja vielleicht deinem Leben. Sie sind nicht Zufall. Lass dem himmlischen Vater die Freiheit, deine Tage zu bestimmen.