20.11.2018
Hypersensibel

Pfarrer Kersten Spantig, Geraberg

An einem schönen, aber bewölkten Tag war ich mit meinem Auto auf einer Landstraße unterwegs. Es war gerade Mittagszeit und eine gewisse Ermüdung begann in den Augenliedern spürbar zu werden. Da - plötzlich erschrak ich heftig, denn ohne ein vorheriges Anzeichen wischten die beiden Arme des Scheibenwischers über die Windschutzscheibe. Ich war wohl deshalb so erschrocken, weil es vorher keine Indizien gab, dass es zu regnen begonnen hätte. Kein einziger Tropfen war auf dem Glas zu sehen - nicht ein winziger!

Nun muss ich dazu sagen, dass ich den Scheibenwischer nicht selbst betätigt habe, auch nicht aus Versehen. Die ganze "Scheibenwischeranlage" war im Automatik-Modus. Ein Sensor in der Frontscheibe soll erkennen, wann das Auto nass genug ist, um dem Scheibenwischer den Befehl zur Reinigung zu geben. In diesem Fall war der Sensor wohl ganz besonders sensibel, denn er ging schon ohne Regen los - gewissermaßen in vorauseilendem Gehorsam. Denn tatsächlich: Einige Sekunden später setzte der Sprühregen ein und der Wischer hatte viel zu tun. Die Vorahnung des Sensors hatte sich als richtig erwiesen!

Könnte es mit Gott nicht genauso sein? Ist er auch hypersensibel, was mich anbetrifft? Vielleicht weiß er auch schon im Vorhinein, was auf mich zukommt und auch, welche Entscheidungen ich womöglich einige Augenblicke später treffen werde. Wenn schon so ein seelenloser Sensor so zuvorkommend sein kann, um wieviel mehr erst Gott?

Im Jesajabuch spricht Gott: Ehe sie rufen, will ich antworten. Das heißt doch: Gott ist ganz entgegenkommend um mich besorgt. Auf meinen Lebenswegen geht er voraus, um mich zu beschützen. Er kennt meine Gedanken und Gefühle und agiert schon im Vorfeld so, dass ich eigentlich ganz getrost und gelassen sein kann. Ach,  wenn ich doch nur auch so sein könnte! Na, wenigstens versuchen könnte ich es ja!