20.11.2018
Angst und Wut überwinden

Pfarrer Conrad E. Neubert, Gräfinau-Angstedt

"Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." (1. Joh 5,4) Niemand will mit der Welt kämpfen - wozu brauchen wir dann einen Sieg über sie? Vergangene Generationen glaubten, dass unser Volk gegen die Welt kämpfen müsse. Zu Kaisers Zeiten war das so, zu Hitlers Zeiten. Später glaubten Leute, dass der Sozialismus gegen den kapitalistischen Rest der Welt kämpfen müsse. Oder aus westlicher Perspektive: die Demokratie gegen all die undemokratischen Staaten in der Welt.

Und heute nehmen wieder viele eine ähnliche Perspektive ein: Der Rest der Welt ist gefährlich, und wir müssen uns gegen sie verteidigen. Das ist eine Perspektive der Wut und der Angst. Wer Angst hat, muss sich verteidigen. Wer Wut hat, will anderen schaden.

Andersrum: Wer die Welt nicht als Bedrohung sieht, der braucht keine Angst zu haben. Wer mit sich im Frieden sein kann, der kann auch mit anderen im Frieden sein - der braucht keine Wut zu haben. Wer selbst Glauben erlebt, der wird finden, dass die Welt ein Geschenk ist - kein Angriff. Und die, die Glauben erleben, die erfahren Frieden dadurch. Glaube ist ein Sieg, der die Welt schon überwunden hat.

Er wartet darauf, dass wir ihn nutzen - nicht als Waffe zum Kampf gegen die Welt. Sondern als Waffe zum Kampf gegen die eigene Angst und gegen die eigene Wut. Wer keine Angst hat, und keine Wut, wer Frieden hat - der hat die Welt schon überwunden. Diesen Sieg brauchen wir. Diesen Frieden brauchen wir.