11.04.2019
Opfer

"Mama, ich habe Durst“, „Mama, mir ist kalt“, „Mama, mein Bauch tut mir weh“. Sie liegt auf dem Sofa.

Das Fieber war die ganze Nacht über sehr hoch, manchmal fast bei 40 Grad, dazu noch die Bauchschmerzen, geschlafen hat sie kaum. Mal war das Bett nassgeschwitzt, mal waren ihre Hände so kalt, dann stieg das Fieber. Sie wurde immer wieder wach und rief nach ihrer Mama.

Und die Mama kam, mit tiefen Augenringen und einem besorgten Gesichtsausdruck. „Alles ist gut, mein Schatz. Komm, ich gebe dir eine Medizin, dann ziehen wir dir einen neuen Schlafanzug an, und dann kannst du weiterschlafen.“ Und so schlief sie weiter, zwar unruhig, aber in dem Wissen: „Mama kommt, wenn ich sie rufe. Alles ist gut, meine Mama ist ja da.“

Die Nacht ist geschafft, endlich. Nun ist wieder eine von mehreren schlaflosen Nächten überstanden, in denen ihre Mutter kaum zur Ruhe kam. Sie hatte sich eine Matratze mit ins Zimmer gelegt, um auch ja kein Rufen zu überhören. Da lag sie, hatte selbst kaum noch Kraft, aber die Sorge um ihre Tochter ließ sie durchhalten. Und das Hoffen, Hoffen auf den Tag, an dem es besser wird. Hoffen auf ein Überstehen der Krankheit und der schlaflosen Nächte. Hoffen auf die eigene Kraft, die einen durchhalten lässt.

Im Wochenspruch für den Palmsonntag heißt es (Joh 3,14b.15): "So muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben." Jesus opfert sich auf für die Menschen. Er opfert sich auf für die Menschen, die er liebt und die durch ihn das ewige Leben haben. Daran denken wir in der kommenden Woche, die mit dem Palmsonntag beginnt.

Jesus opfert sich auf, er nennt es hier nur anders. Er spricht von sich als Menschensohn, der am Kreuz erhöht wird für die Menschen, die er liebt. So ist der Jesus, der sich aufopfert für die Menschen wie eine Mutter, die sich mit all ihrer Kraft für ihr Kind aufopfert.

Pfarrerin Franziska Remdt, Elxleben