Reich beschenkt
Wir haben viel. Wir haben wirklich reichlich, und das von vielen Dingen.
Mein Bruder hat zum Beispiel dieses Jahr eine Zucchini-Sorte angepflanzt, die wächst und wächst und wächst und er verschenkt Zucchini mit vollen Händen, aber sie wird einfach nicht alle. Wir hatten viel Regen diesen Sommer, und im Juni und im August hatten wir auch viel Hitze. Ich habe viele Bücher zuhause. Die Kinder, die ich in Religion unterrichte, haben viel Kreativität und Fantasie. Die Ortschaften unserer Gegend haben viele Kirchen. Wovon haben Sie viel?
Aus der Sicht des christlichen Glaubens ist alles, was wir haben, ein Geschenk Gottes. Zucchini, Kreativität, Bücher, Regen, Hitze. Nichts ist selbstverständlich, selbst, wenn wir es uns selbst verdient, gebaut oder gekauft haben – alles ist ein Geschenk.
Wenn man den eigenen Besitz als Geschenk sieht, gewinnt er einige verngügsame Aufträge dazu. Eines dieser Vergnügen ist zum Beispiel der Dank. Wer beschenkt wird, kann sich bedanken – und Danken vergrößert unser Bewusstsein für das Gute, das in diesem Geschenk steckt. Wer beschenkt wird, dem gehört das Geschenkte dann ganz, und man darf es ganz benutzen. Man sollte es sogar großzügig benutzen. So würdigt man das Geschenk wirklich.
Großzügigkeit ist ein weiterer vergnügsamer Auftrag, den man mit reichlichen Geschenken erhält. Großzügigkeit sich selbst gegenüber und anderen gegenüber. So wie Dank vergrößert eine freigiebige und großzügige Nutzung all der eigenen Geschenke ihren Wert. Wenn die Zucchinis meines Bruders nicht verschenkt werden, verrotten sie, bevor er sie alle selbst essen kann. Wenn sie verschenkt werden, machen sie viele andere Leute satt.
Genauso kann ich ich meine Bücher ausborgen und von ihnen erzählen. Dann können auch andere ihre Weisheit nutzen. Die Weisheit eines dieser Bücher habe ich versucht, hier zu teilen. Jesus sagt nämlich im sechsten Kapitel des Lukasevangeliums:
„Schenkt, dann wird euch geschenkt. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit dem Maßstab, mit dem ihr messt, wird man auch euch zuteilen.“
Lasst uns also mit Großzügigkeit schätzen, danken und nutzen, was wir viel haben – es ist ein Geschenk!
Conrad Neubert, Pfarrer im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau