Lichter anzünden gegen den Hass
Chanukka sameach!
Ich danke der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, dass sie sich entschieden hat, Chanukka trotzdem zu feiern und auch den Chanukka-Ball nicht abzusagen. Am ersten Abend des 8-tägigen Chanukkafestes waren Menschen am Bondi Beach in Sidney, Australien, auf brutale Weise überfallen worden. 15 Menschen wurden erschossen.
Das erinnert fatal an den 7. Oktober 2023. Auch dort war es ein Fest. Kein religiöses Fest, sondern ein Musikfestival, viele junge Menschen wollten Musik hören, tanzen und eine gute Zeit haben. Jetzt war es ein religiöses Fest. Das Lichterfest. Das trifft mitten ins Herz - die jüdische weltweite Gemeinschaft, aber auch alle Menschen, die es nicht fassen können, dass auf eine feiernde, friedliche Gemeinde geschossen wird.
Der Antisemitismus unserer Tage macht mich immer wieder fassungslos. King Charles sagte in einem Statement zum Terroranschlag etwas, was mich tief bewegt: „Ich weiß, dass der Gemeinschaftsgeist und die Liebe, die in Australien so hell leuchten – und das Licht im Herzen des Chanukkafestes – immer über die Dunkelheit des Bösen triumphieren werden.“
Es ist so wichtig, gerade jetzt Kerzen anzuzünden. Die siebte Kerze an diesem Sonnabend am Chanukkaleuchter, am Sonntag die vierte Kerze am Adventskranz und dann am Weihnachtsbaum die vielen Kerzen. Alle sollen sie leuchten!
Wenn wir aufhören, Lichter anzuzünden, siegt die Dunkelheit. Das wollen sie ja bloß erreichen, dass wir aufgeben, dass wir die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander fahren lassen, dass wir resignieren. Aber nein, das tun wir nicht.
Der Anschlag offenbarte - Gott sei es gedankt - auch die Widerstandskraft Einzelner, so wird der „Held von Sydney“ gefeiert, ein muslimischer Familienvater, der einen der beiden Attentäter entwaffnen konnte. Von ihm wird hoffentlich immer erzählt werden.
Solche Geschichten brauchen wir. Geschichten von Überwindung, vom Mut, im richtigen Augenblick etwas zu wagen. Nicht jeder wagt so etwas Spektakuläres, manchmal reicht auch eine Geste, ein freundliches Lächeln, ein kleines, aber deutliches Wort zur rechten Zeit.
Hass vergiftet unser gemeinsames Leben. Ich will so nicht leben. Lasst uns Kerzen anzünden! Ich wünsche eine gesegnete Weihnukka!
Elke Rosenthal, Pfarrerin und Superintendentin im Ilm-Kreis